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So lindern Sie Ischiasschmerzen

Muskelverspannungen oder falsche Bewegungen können den Ischias-Nerv im Rücken reizen. Was akut hilft, mit welchen Übungen Sie vorbeugen können
von Wolfram Eberhardt, aktualisiert am 05.01.2018

Stechen im Rücken: Ischiasbeschwerden können sehr schmerzhaft sein

istock / Paul Bradbury

Schnell noch den Wasserkasten in die Wohnung tragen. Doch plötzlich … Beim Bücken ziehen heftige Schmerzen vom Rücken über den Po bis in den hinteren Oberschenkel und Fuß. "Ischias-Schmerzen sind wirklich kaum auszuhalten", sagt Professorin Andrea Meurer.

Sie entstehen, wenn Druck auf den Ischias-Nerv ausgeübt wird. Dieser setzt sich aus verschiedenen Nervenfasern zusammen, die im unteren Lendenwirbelbereich der Wirbelsäule austreten.

Mehrere Ursachen möglich

Die Ursachen können ganz verschieden sein, erklärt die Präsidentin der Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chi­rurgie. Häufig handelt es sich um Muskelverspannungen im Gesäß­bereich bei Menschen, die viel sitzen. Der Nerv gerät unter Druck und sendet Schmerz­signale.

Auch eine falsche Bewegung, zum Beispiel beim Heben ­eines Wasserkastens, kann die Pro­bleme aus­lösen – bis hin zu einem Bandscheibenvorfall. Der Ischias-­Nerv ist dann eingeklemmt.

Was hilft akut?

Oft ist der Hüftmuskel (Piriformis) verspannt, der direkt unter dem ­großen Gesäßmuskel liegt. "Bei etwa 20 Prozent aller Menschen verläuft der Ischias-Nerv sogar direkt durch diesen Muskel", erklärt der Physiotherapeut Michael Preibsch. Betroffene sollten versuchen, ihn mit gezielten Übungen zu dehnen. So werde der Ischias-Nerv entlastet, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Verbands für Physiotherapie.

Auch Wärme empfinden viele Pa­tienten als wohltuend. Mit Wärmepflastern aus der Apotheke oder ­einem aufgeheizten Kirschkernsäckchen kann man versuchen, den ver­härteten Muskel zu lockern. "Oder man geht in die Sauna", rät Ortho­pädin Meurer.

Oft lindert auch die sogenannte Stufenhaltung akute Schmerzen. Der Patient liegt dabei auf dem Boden und legt die Unterschenkel im rechten Winkel zu den Oberschenkeln auf einen Stuhl. Falsch wäre es, sich für längere Zeit einfach ins Bett zu legen, um die Beschwerden zu kurieren, erklärt Meurer. Moderate Bewegungen seien durchaus hilfreich, um die Muskulatur wieder zu entspannen.

Wann ist es ein Notfall?

Treten neben den Schmerzen auch Taubheitsgefühle im Bein, an der Innenseite des Oberschenkels oder im Schambereich auf, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Das gilt auch bei Lähmungen der Beinmuskulatur oder plötzlicher Inkontinenz.

"Das wäre ein absoluter Notfall, da ein Bandscheibenvorfall die Ursache sein kann", warnt Expertin Andrea Meurer. Ein Arztbesuch ist auch dann ratsam, wenn der Schmerzpatient kürzlich ­­einen Unfall hatte, Kortisonpräparate nimmt oder an Osteoporose leidet.

Ist eine Operation notwendig?

Selbst wenn es sich um einen Bandscheibenvorfall handeln sollte, ist ein chirurgischer Eingriff nicht zwingend nötig. Das Problem könne auch von alleine ausheilen, wenn sich das vorgefallene Gewebe mit der Zeit in den Bandscheibenraum zurückzieht, erklärt Medizinerin Meurer.

Physiotherapeuten können diesen Prozess mit bestimmten Techniken unterstützen. Die Behandlung werde Preibsch zufolge stets an die neuesten Untersuchungsergebnisse angepasst und mit dem behandelnden Arzt abgesprochen.

Sofort operiert werden muss dagegen, wenn eine Taubheit im Schambereich oder Inkontinenz auftritt. Sonst besteht die Gefahr, dass der Ischias-Nerv dauerhaft geschädigt wird.

Helfen Medikamente?

In der akuten Phase können Patienten ein bis zwei Tage auf Schmerzmittel zurückgreifen, etwa auf nichtsteroidale Antirheumatika. Bei sehr starken Beschwerden wird der Arzt unter Umständen ­höher dosierte Opiate verschreiben.

"Müssen diese eingesetzt werden, sollte aber auch eine Diagnostik mit Magnetresonanz-Tomografie und Röntgenbild erfolgen", rät Meurer. So kann der Arzt Veränderungen der Bandscheiben und den Zustand der Wirbelknochen beurteilen

Was bringt Physiotherapie?

Treten Ischias-Beschwerden immer wieder auf, kann ein Physiotherapeut mit manuellen Techniken Verspannungen und Bewegungseinschränkungen lösen. Er zeigt Betroffenen außerdem Übungen zur Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur. Gut trainiert, wirkt die Muskulatur wie ein Korsett, das die Wirbelsäule stützt und stabilisiert.

Wichtig ist Preibsch zufolge aber auch der Arbeitsplatz des Betroffenen: "Wenn jemand länger sitzt, ist die Haltung enorm wichtig. Man muss den Arbeitsplatz an den Körper anpassen und nicht umgekehrt, um vorzubeugen."



Bildnachweis: Jump Fotoagentur/Kristiane Vey, istock / Paul Bradbury

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